Von inklusiven Verpackungen und KI bis zur PPWR – unser Paris Packaging Week Report 2026
Die Paris Packaging Week 2026, in deren Rahmen auch die Pentawards verliehen wurden, hat einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, in welch tiefgreifendem Strukturwandel sich die Verpackungsbranche derzeit befindet. Jeder, der sich durch die Messehallen bewegte, konnte einen klaren roten Faden erkennen: Verpackungen werden nachhaltiger, inklusiver, technologischer und emotionaler. Sujets, die man vor wenigen Jahren noch als Nischen diskutierte, sind inzwischen zentrale Innovationstreiber.
Besonders deutlich wurde das beim Thema inklusive Verpackungsgestaltung: Designer, Marken und Technologieunternehmen beschäftigen sich zunehmend damit, wie sich Verpackungen für möglichst viele Menschen zugänglich gestalten lassen – unabhängig von Sehvermögen, Motorik oder Alter. Digitale Technologien, allen voran Künstliche Intelligenz, eröffnen dabei völlig neue Möglichkeiten für Analyse, Gestaltung und Testprozesse.
Auf nahezu jeder Bühne stand die PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) der Europäischen Union (EU) im Fokus. Hersteller, Marken und Zulieferer suchen intensiv nach Lösungen, um die kommenden Anforderungen zu erfüllen – von Refill-Systemen über Monomaterialien bis hin zum vermehrten Einsatz von Post-Consumer-Rezyklat (PCR) wurden verschiedene Ansätze präsentiert.
Neben Regulierung und Technologie spielte auf der Messe aber auch das Designerlebnis nach wie vor eine wichtige Rolle. Viele Marken setzen verstärkt auf sensorisch ansprechende, spielerische Verpackungskonzepte, die sich im Regal abheben und Verbraucher emotional binden.
Zur 25. Jubiläumsausgabe der führenden Messe für Verpackungsdesign und -innovation am 5. und 6. Februar in der Paris Expo Porte de Versailles kamen über 14.000 Besucher zusammen – rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekord. Insgesamt nahmen über 20.000 Branchenakteure, darunter 915 Aussteller und mehr als 200 Speaker aus 87 Ländern, an der Veranstaltung teil. Auch wir waren wieder live vor Ort.
In unserem ausführlichen Bericht über die Paris Packaging Week 2026 fassen wir die wichtigsten Trends in den Sektoren ADF, PCD, PLD und Packaging Première zusammen und zeigen auch anhand konkreter Beispiele, welche Entwicklungen die Verpackungsbranche in den kommenden Jahren prägen werden.
Inklusive Verpackungen – warum sie wichtig sind
Inklusive Verpackungsgestaltung war eines der meistdiskutierten Themen auf der Messe. Der Ansatz ist dabei so einfach wie überzeugend: Produkte sollen möglichst für alle Menschen nutzbar sein, unabhängig von Alter, dauerhaften körperlichen Einschränkungen oder situativen Herausforderungen, zu denen auch „Banalitäten“ wie schlechtes Licht oder volle Hände zählen.
Im Alltag wird deutlich, wie relevant dieses Thema ist. Viele Verpackungen lassen sich nur mit großer Mühe öffnen, enthalten schwer lesbare Informationen oder setzen eine hohe Feinmotorik voraus. Für Menschen mit eingeschränkter Handkraft, Sehbeeinträchtigungen oder kognitiven Handicaps, von denen es allein in Europa Millionen gibt, kann das schnell zu einem echten Hindernis werden.
Doch inklusive Verpackung bedeutet nicht nur Barrierefreiheit für eine kleine Zielgruppe; vielmehr profitieren alle Verbraucher von besser lesbaren Informationen, intuitiven Öffnungsmechanismen und klaren visuellen Orientierungssystemen.
Immer mehr Marken bauen auf entsprechende Ansätze. Viele Unternehmen erkennen inzwischen, dass inklusive Verpackungen – abgesehen davon, dass sie gesellschaftliche Relevanz haben – auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Produkte, die leichter zu verstehen und zu bedienen sind, erreichen eine größere Zielgruppe und stärken die Markenwahrnehmung.
Besonders in der Kosmetik- und Elektronikbranche entstehen derzeit Verpackungskonzepte, die Ergonomie, Informationsdesign und digitale Technologien miteinander verbinden. Typische Maßnahmen sind etwa taktile Markierungen, klare Typografien, kontrastreiche Farbcodes und leicht zu öffnende Verschlüsse. Damit wird inklusives Design vom „netten sozialen Extra“ zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Verpackungsentwicklung.
Wie Designer KI als Werkzeug für barrierefreie Verpackungen nutzen können
In mehreren Vorträgen der Paris Packaging Week 2026, insbesondere von Google und ADC, wurde der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Designprozess besprochen. Gerade im Kontext inklusiver Verpackungen bietet KI neue Möglichkeiten, Nutzerbedürfnisse systematisch zu analysieren.
Bestes Beispiel: die Simulation von Sehbeeinträchtigungen. Mithilfe KI-gestützter Design-Tools können Designer testen, wie eine Verpackung für Menschen mit Farbsehschwächen oder eingeschränktem Sehvermögen wirkt. Algorithmen bewerten die Lesbarkeit, Textstruktur und visuelle Gewichtung von Informationen und liefern konkrete Verbesserungsvorschläge. Typografische Merkmale wie Schriftgrößen, Zeilenabstände, Kontrastwerte oder Farbkombinationen sowie die Informationshierarchie lassen sich so bereits in frühen Entwicklungsphasen optimieren. Dies kann vor allem bei kleinen Verpackungsflächen entscheidend sein.
Ein weiteres Einsatzfeld ist die ergonomische Gestaltung von Verpackungen. Digitale Simulationen erlauben es, Öffnungsmechanismen oder Griffzonen zu testen, bevor physische Prototypen entstehen. So können Designer überprüfen, wie viel Kraft zum Öffnen erforderlich ist oder wie intuitiv ein Verschluss funktioniert.
Überdies ermöglicht KI die Auswertung großer Mengen von Nutzerfeedback und Testdaten. Wenn tausende Interaktionen analysiert werden, lassen sich Muster erkennen, die in klassischen Usability-Tests kaum sichtbar wären.
Wichtig: KI-Design-Tools fungieren als hilfreiche Werkzeuge, ersetzen aber nicht die menschliche Perspektive. Für erfolgreiche inklusive Verpackungen bedarf es der Kombination aus Designkompetenz, Nutzerforschung und technologischer Unterstützung.
Praxisbeispiele für inklusive Packagings: Sony, Microsoft, Kellogg’s und Tilt Beauty
Dass inklusive Verpackungen längst nicht mehr nur theoretische Konzepte sind, zeigen verschiedene Beispiele aus der Praxis. Ein häufig genanntes Referenzprojekt ist das Verpackungsdesign der PlayStation-Produkte von Sony. Das Unternehmen entwickelte Packagings mit großen Laschen und klar definierten Öffnungsmechanismen, die sich auch mit eingeschränkter Handkraft leicht öffnen lassen. Kunststoffversiegelungen wurden reduziert oder durch intuitivere Lösungen ersetzt.
Auch Microsoft gilt als Vorreiter im Bereich inklusives Packaging. Für den Xbox Adaptive Controller kreierte das Unternehmen eine Verpackung, die komplett ohne Schere oder Messer geöffnet werden kann. Große Griffflächen, eine logische Produktanordnung und visuelle Hinweise erleichtern den gesamten Unboxing-Prozess.
Im Lebensmittelbereich sorgt ein Projekt von Kellogg’s für Aufmerksamkeit. Die Marke integriert auf einigen Verpackungen sogenannte NaviLens-Codes, die von Smartphones erkannt werden können. Eine spezielle App liest Produktinformationen laut vor und hilft sehbehinderten Menschen, Artikel im Supermarkt leichter zu identifizieren.
Auch in der Kosmetikbranche entstehen zunehmend inklusive Lösungen. Exemplarisch sei der Easy Way Effortless Lip Liner von Tilt Beauty erwähnt, der speziell für Menschen mit eingeschränkter Motorik entwickelt wurde. Die Form des Stifts erleichtert das Halten und präzise Auftragen des Produkts. Darüber hinaus ist der Liner nachfüllbar – ein Beispiel dafür, wie Inklusion und Nachhaltigkeit kombiniert werden können.
Wie diese vier Konzepte zeigen, genügen oft schon vermeintlich kleine Verbesserungen, etwa bei der Lesbarkeit, Ergonomie oder Zugänglichkeit von Informationen, um Verpackungen inklusiv(er) zu gestalten. Entscheidend ist immer der gleiche Ansatz: die Bedürfnisse realer Nutzer konsequent in den Designprozess einzubeziehen.
PPWR bleibt DAS zentrale Thema
Neben Design- und Technologiefragen dominierte erneut die PPWR die Gespräche auf der Messe. Kaum eine Präsentation kam ohne Bezug auf die neue EU-Verpackungsverordnung aus. Sie wird in den kommenden Jahren maßgeblich bestimmen, wie Verpackungen entwickelt, produziert und recycelt werden.
Die PPWR setzt unter anderem strengere Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile und Wiederverwendungssysteme. Zudem sollen Verpackungsabfälle reduziert und Materialkreisläufe geschlossen werden. Mehr zur erfolgreichen Umsetzung der Vorschriften der Packaging and Packaging Waste Regulation erfahren Sie hier (Link zur PPWR-Landingpage).
Viele Unternehmen sehen die Regulierung inzwischen nicht mehr nur als Herausforderung, sondern auch als Innovationsmotor. Neue Verpackungskonzepte entstehen häufig direkt aus der Frage: Wie lässt sich mein Produkt so gestalten, dass es künftig den gesetzlichen Anforderungen entspricht? Drei mögliche Antworten beziehungsweise Lösungsansätze, die auf der Messe in diversen Varianten dargeboten wurden: Refill, Monomaterial und Upcycling.
Refill-Trend
Refill-Systeme sind auf dem Vormarsch. Das Grundprinzip ist simpel: Verbraucher behalten eine langlebige Primärverpackung und kaufen lediglich Nachfülllösungen, etwa Beutel, Kartuschen oder Konzentrate. Dadurch lassen sich Materialverbrauch und Verpackungsabfälle erheblich reduzieren.
Immer mehr Marken entwickeln entsprechende Konzepte. Viele setzen dabei auf modulare Designs, bei denen einzelne Komponenten leicht ausgetauscht werden können. Gleichzeitig gewinnt auch die Gestaltung der Refill-Verpackungen selbst an Bedeutung. Sie müssen funktional, transportfähig und möglichst ressourcenschonend sein.
Die Kosmetikbranche ist besonders aktiv; hier entstehen derzeit zahlreiche neue Lösungen. Ein Beispiel ist die nachfüllbare Verpackung für die Guerlain-Hautpflegeserie Orchidée Impériale, deren Refill-System im Rahmen der PCD Innovation Awards ausgezeichnet wurde. Die Nachfülllösung kombiniert Glas mit einer Kuppelstruktur aus Zellulosefasern und reduziert den Materialverbrauch merklich.
Unilever präsentierte mit dem Nexxus Promend Oil Resurrection Refill ein neues Konzept für Haarpflegeprodukte. Dabei wird lediglich der Innenbehälter ersetzt, während das hochwertige Glasgefäß erhalten bleibt.
Was beim Refill-Trend allgemein auffällt, ist, dass Nachhaltigkeit zunehmend mit hochwertigem Design und Markeninszenierung kombiniert wird. Und die PPWR gibt ihm zusätzlichen Rückenwind, schließlich werden Wiederverwendungssysteme künftig stärker gefördert.
Monomaterial und PCR
Auch Monomaterial-Verpackungen zeigten auf der Paris Packaging Week Präsenz. Sie bestehen aus nur einem Materialtyp und lassen sich deshalb wesentlich einfacher recyceln als komplexe Mehrschichtlösungen. Vor allem bei flexiblen Verpackungen arbeiten viele Unternehmen daran, bestehende Laminatstrukturen durch recyclingfähige Alternativen zu ersetzen.
Zudem nimmt die Bedeutung von Post-Consumer-Rezyklat zu. PCR-Materialien stammen aus bereits genutzten und recycelten Verpackungen. Ihr Einsatz reduziert den Bedarf an neuem Kunststoff und trägt dazu bei, geschlossene Materialkreisläufe aufzubauen. Ein Beispiel aus der Parfümbranche ist die neue Flaschenvariante von Boss Bottled, die teilweise aus recyceltem Glas besteht und gleichzeitig als refillbares System konzipiert wurde.
Die große Herausforderung hinsichtlich Monomaterial- und PCR-Verpackungen liegt darin, technische Anforderungen, Produktschutz und Recyclingfähigkeit effektiv miteinander zu verbinden.
Upcycling
Neben klassischem Recycling rückt auch Upcycling stärker in den Fokus der Verpackungsbranche. Dabei werden Materialien nicht nur wiederverwertet, sondern in Produkte mit höherem Wert oder neuer Funktion überführt. Einige Marken nutzen beispielsweise Produktionsreste aus Glas oder Metall, um dekorative Elemente oder limitierte Editionen zu entwickeln. Upcycling wird dabei nicht nur als technische Lösung verstanden, sondern dient zudem als kommunikatives Element im Markenauftritt, als Teil der eigenen Markenstory.
Sensorisch ansprechende und „verspielte“ Verpackungsdesigns
Ja, die PPWR lenkt unsere Branche immer mehr, doch Nachhaltigkeit ist und bleibt nicht alles, wie auch ein eindrücklicher Designtrend auf der Messe verdeutlichte: Verpackungen sollen zunehmend „erlebbar“ sein. Viele Marken setzen auf ungewöhnliche Texturen, geprägte Oberflächen oder interaktive Elemente. Ziel ist es, Produkte im Regal hervorzuheben und gleichzeitig ein emotionales Unboxing-Erlebnis zu schaffen.
Besonders im Beauty- und Luxussegment spielen haptische Eigenschaften eine zentrale Rolle. Soft-Touch-Beschichtungen, strukturierte Etiketten oder geprägte Kartonoberflächen machen Verpackungen zu multisensorischen Objekten. Ein Beispiel dafür ist das Parfümprojekt Libre Vanille Couture, bei dem die Oberfläche der Flasche den Fall eines Stoffkleides nachahmt – realisiert wurde das Design mittels Laserstrukturierung im Glas.
Der Trend lässt sich als eine Art „spielerische Funktionalität“ beschreiben: Verpackungen bleiben nachhaltig und funktional, bieten aber gleichzeitig kleine Momente der Überraschung.
Innovationen in den vier Sektoren ADF, PCD, PLD und Packaging Première
Die Paris Packaging Week vereint vier spezialisierte Bereiche unter einem Dach: ADF (Aerosole/Dispenser), PCD (Kosmetik/Parfüm), PLD (Premium-Getränke) und Packaging Première (Luxusverpackungen). Im Folgenden stellen wir zu jedem Segment mehrere Innovationen vor, die auf der Messe präsentiert wurden.
ADF (Aerosol & Dispensing Forum): Präzise und effiziente Dosierungstechniken
Im Bereich ADF ging es vor allem um Innovationen rund um Ventile, Pumpen und Sprühsysteme. Ein wichtiger Trend ist die Entwicklung von präziseren Dosiersystemen, die den Produktverbrauch reduzieren und gleichzeitig die Nutzererfahrung verbessern. Neue Ventiltechnologien ermöglichen beispielsweise eine gleichmäßigere Sprühleistung über die gesamte Lebensdauer eines Produkts.
Außerdem gewinnen alternative Materialien für Aerosolverpackungen an Bedeutung. Einige Hersteller präsentierten recyclingfähige Kunststoff-Aerosoldosen, die klassische Metallverpackungen ersetzen können. Darüber hinaus arbeiten viele Unternehmen an Lösungen, die den Einsatz von komprimierter Luft oder Stickstoff als Treibmittel ermöglichen, um klassische Aerosoltreibgase zu reduzieren.
Auch digitale Technologien halten Einzug: Verschiedene Unternehmen arbeiten an smarten Dispensing-Systemen, die fähig sind, den Verbrauch zu messen oder Produktinformationen bereitzustellen.
Es ist schon erstaunlich, wie stark selbst kleine Komponenten wie Ventile oder Aktuatoren über Nachhaltigkeit und Performance eines Produkts entscheiden können.
PCD (Packaging of Perfume, Cosmetics & Design): „Skinification“ und ästhetische Nachhaltigkeit
Auf zwei zentralen Trends lag der Fokus im Bereich PCD: der sogenannten Skinification und der Verbindung von Nachhaltigkeit mit Premium-Design. Kurze Erklärung zum Begriff ‚Skinification‘: Viele Kosmetikmarken übertragen inzwischen Inhaltsstoffe und Pflegekonzepte aus der Hautpflege auf andere Kategorien – etwa Haar- und Körperpflege. Verpackungen müssen diese wissenschaftlich geprägte Positionierung visuell unterstützen.
Gleichzeitig wächst der Anspruch an ästhetische Nachhaltigkeit. Marken wollen nachhaltige Materialien einsetzen, ohne auf eine edle Optik zu verzichten. Glas, Aluminium und erstklassige Monomateriallösungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Zahlreiche Designs kombinieren Minimalismus mit hochwertigen Details wie feinen Prägungen, transparenten Materialien oder subtilen Farbakzenten. Nachhaltigkeit wird so nicht nur funktional umgesetzt, sondern auch Teil der Markenästhetik.
Bei den Innovation Awards wurden zahlreiche Projekte ausgezeichnet, darunter die Pradascope Mascara von L’Oréal, die mit einer innovativen Bürstengeometrie arbeitet und zudem ein besonders luxuriöses Verpackungsdesign nutzt. Technische Präzision und hochwertige Materialästhetik kombiniert auch die Verpackung der Stimulskin Plus Cream Jar von Darphin. Diese Beispiele machen deutlich, wie stark sich Beauty-Verpackungen zwischen wissenschaftlicher Funktionalität und emotionalem Design bewegen.
PLD (Packaging of Premium & Luxury Drinks): Material-Storytelling und technisch herausragendes Glas
Innovationen im Bereich PLD zeigen, wie wichtig Verpackungen für das Storytelling von Getränkemarken sind. Auf der Messe fielen uns neue Glasflaschendesigns mit geprägten Oberflächen oder ungewöhnlichen Formen auf. Viele Hersteller experimentieren mit Reliefstrukturen, Gravuren oder asymmetrischen Geometrien, um ihren Produkten eine hohe Wiedererkennbarkeit zu verleihen.
Einige Marken setzen zudem auf Material-Storytelling. Sie beziehen die Herkunft der Rohstoffe, Recyclinganteile oder traditionelle Herstellungsverfahren gezielt in die Gestaltung mit ein. Technologisch beeindruckten mehrere Hersteller mit extrem leichten Glasflaschen, die dennoch hohe Stabilität bieten. Damit verbinden sie Premium-Ästhetik mit reduziertem Materialeinsatz.
Das vielleicht faszinierendste Packaging präsentierte Grey Goose für den Altius-Wodka: Die extrem hohe und schlanke Silhouette der Glasflasche erforderte präzise thermische Kontrollen, um die strukturelle Integrität zu wahren, und markiert die Grenze des Machbaren in der Glasformung.
Ein weiteres überaus gelungenes Beispiel für Innovationen im PLD-Segment ist der Veuve Clicquot Cooler: eine Verpackung, die gleichzeitig als Kühlbehälter für Champagnerflaschen genutzt werden kann und damit Packaging und Produktfunktion in sich vereint.
Packaging Première (Luxus): Design-Exzellenz und „No-Pack“-Philosophie
Der Bereich Packaging Première widmete sich Luxusverpackungen für Mode, Schmuck, Uhren und Feinkost. Ein zentraler Trend in diesem Segment ist die sogenannte „No-Pack“- oder „Less-Pack“-Philosophie. Viele Marken reduzieren Verpackungsschichten und setzen stattdessen auf hochwertige Materialien und präzise Konstruktionen. Design-Exzellenz entsteht dabei durch Details wie magnetische Verschlüsse, perfekt gefaltete Kartonstrukturen oder innovative Papiermaterialien.
Auf der Messe sahen wir beispielsweise Verpackungen aus hochwertigem Karton oder Papier, die ohne Klebstoffe oder zusätzliche Materialien konstruiert sind. Dadurch lassen sie sich leichter recyceln. Doch Handwerkskunst bleibt weiterhin ein wichtiger Bestandteil von Luxusverpackungen. Letztlich geht es hier darum, Handwerksästhetik und moderne Produktionstechnologie clever zu kombinieren, um Verpackungen entstehen zu lassen, die zugleich nachhaltig, funktional und luxuriös wirken.
Zusammenfassung und Schlusswort
Bei unserem Besuch der Paris Packaging Week 2026 haben wir einmal mehr vor Augen geführt bekommen, wie vielseitig und dynamisch sich die Verpackungsbranche entwickelt. Inklusive Gestaltung, KI-gestützte Designprozesse und die Anforderungen der PPWR prägen zunehmend die strategischen Entscheidungen vieler Unternehmen. Trends wie Refill-Systeme, Monomateriallösungen oder Upcycling zeigen, dass Nachhaltigkeit immer stärker zur Grundlage von Innovation wird. Neben technischen und regulatorischen Entwicklungen bleibt jedoch auch das emotionale Verpackungserlebnis wichtig. Sensorische Designs, hochwertige Materialien und kreative Gestaltung sorgen dafür, dass Produkte im Regal auffallen. Die Messe verdeutlichte damit vor allem eines: dass die Zukunft der Verpackung in der Verbindung von Nachhaltigkeit, Technologie und Designqualität liegt. Ganzheitlichkeit lautet das Zauberwort, das im Übrigen auch den Ansatz unserer Packaging-Design-Agentur perfekt widerspiegelt.