Storecheck Ethnomärkte Berlin – Teil 2: Asiatische Lebensmittelmärkte
Im ersten Teil unserer neuen Reihe „Storecheck Ethnomärkte Berlin“ haben wir uns ausführlich mit türkischen Lebensmittelmärkten in Deutschlands Hauptstadt auseinandergesetzt. Den zweiten Teil widmen wir nun asiatischen Lebensmittelgeschäften, die sich stark von den türkischen und auch den klassischen deutschen Supermärkten unterscheiden. Wir beschreiben zunächst allgemeine gestalterische Besonderheiten und gehen anschließend auf spezifische Produkte und Produktgruppen ein.
Erste allgemeine Eindrücke zu asiatischen Lebensmittelgeschäften
Innovative und kreative Verpackungsformen mit vielen Farben und humorvollen Elementen sowie eine große Auswahl an Lebensmitteln und Produkten, die für den deutschen Verbraucher fremd und exotisch anmuten, zeichnen die asiatischen Märkte aus. Sie zeugen von gänzlich anderen Gewohnheiten des asiatischen beziehungsweise asiatischstämmigen Volkes. Das betrifft neben der Ernährung und dem Gebrauch bestimmter Erzeugnisse auch die Erwartungen in Bezug auf die grafische Gestaltung und die Anordnung der Produkte im Regal.
Illustrationen als wiederkehrendes gestalterisches Merkmal
Zu den eindrücklichsten gestalterischen Merkmalen der Verpackungen in asiatischen Lebensmittelmärkten gehören Illustrationen. Sie finden sich in nahezu allen Produktkategorien. Insbesondere Maskottchen und dergleichen zeigen enorme Präsenz und prägen das Markenbild vieler Artikel. Der „Cuteness“-Faktor ist weit verbreitet: Liebevolle, verspielte, teils kindliche Figuren begegnen einem nicht nur im Süßwarenregal, sondern auch bei alltäglichen Produkten wie Tees, Soßen oder Snacks. Anders als in westlichen Märkten, wo solche Charaktere in der Regel nur für Kinderprodukte verwendet werden, richten sich asiatische Marken mit diesen „niedlichen“ Gestaltungsansätzen explizit an alle Altersgruppen. Die emotionale und identitätsstiftende Kraft dieser „Persönlichkeiten“ wird konsequent genutzt und sorgt häufig für hohen Wiedererkennungswert.
Manga/Anime mit ihren ausgeprägten Emotionen
Innerhalb des Illustrationstrends spielen Manga- beziehungsweise Anime-Figuren und die damit verbundenen übertrieben dargestellten Emotionen eine große Rolle. Sie fungieren als zentrales kulturelles Gestaltungselement. Zahlreiche Verpackungen präsentieren Manga-inspirierte Designs – mit Charakteren, die lachen, weinen oder Überraschung ausdrücken, oft in stark stilisierter Form. Diese visuelle Überzeichnung wirkt emotional aufgeladen, was manche dazu bringt, sich mit den Figuren zu identifizieren, und andere einfach amüsiert. In jedem Fall kommt die Gestaltung mit Manga-Illustrationen in der Regel gut an.
Traditionelle Produkte traditionell gestaltet
Klassische, traditionelle Produkte haben – natürlich – ihren festen Platz in den asiatischen Lebensmittelmärkten. Und häufig setzen Marken dabei weiterhin auf ein konsequent traditionsbewusstes Design, vor allem bei Artikeln wie Sake, Sesamöl oder Gewürzen, die für die asiatische Küche typisch sind. Hier dominieren landeseigene Schriften (etwa Japanisch oder Chinesisch), die oft schlicht, aber hochwertig integriert sind. Diese gestalterische Zurückhaltung vermittelt kulturelle Verwurzelung und damit Authentizität – ein bewusster Kontrast zur oft spielerisch-illustrativen Aufmachung anderer Produktgruppen.
Harmonisches Design der Front und Rückseite
Die gestalterische Aufmerksamkeit gilt nicht nur der Verpackungsfront; auch die Rückseite spielt eine zentrale Rolle im Designkonzept. Insbesondere bei japanischen Produkten wird deutlich, wie stark sich das visuelle Narrativ über beide Seiten erstreckt. Muster, Texturen und illustrative Elemente finden sich durchgängig, was den Verpackungen eine betont konsistente und hochwertige Ausstrahlung verleiht. Die Rückseiten sind oft mit detaillierten Gebrauchs- oder Zubereitungsanleitungen versehen – stilistisch präzise auf die Frontgestaltung abgestimmt. So entstehen ganzheitliche Verpackungserlebnisse, bei denen selbst den funktionalen Informationen optische Wichtigkeit beigemessen wird. Ein sehr schönes Beispiel ist das grüne Packaging mit Panda-Illustrationen: Dreht man die Tüte um, setzt sich die Szene spielerisch fort. Auch bei traditioneller gestalteten Produkten zieren Muster, Rahmen und visuell inszenierte Zitate aus der asiatischen Kultur sowohl die Vorder- als auch die Rückseite – ein klares Bekenntnis zur gestalterischen Detailverliebtheit.
Spiel mit der Typografie
Viele Marken setzen bewusst auf eine rein typografische Kommunikation. Häufig steht das Produkt selbst in großer Schrift plakativ im Zentrum der Gestaltung. Die Tofu-, Hello-Panda- oder Hello-Produktreihen zeigen, wie durch das Zusammenspiel von Schrift und Farbe eine sehr klare und emotionale Sortenkodierung gelingt. Bei den Hello-Packagings ist die einzige gestalterische Konstante der schwarze Deckel; Schrift- und Hintergrundfarben wechseln je nach Geschmacksrichtung und ergeben in ihrer Kombination den visuellen Sortenschlüssel. Ein weiteres Beispiel ist die Marke Samyang Tangle, die sich bei der typografischen Gestaltung offensichtlich von der Form einer gemeinen Nudel hat inspirieren lassen. Die Buchstaben mit unregelmäßigen Linien erzeugen eine verspielte, fast haptisch wirkende Optik. Obwohl das genaue Design je nach konkretem Produkttyp etwas variiert, bleibt die Brand nicht zuletzt durch ihre typografische Kreativität absolut erkennbar.
Veredelung mit Spotlack
Ein weiterer interessanter Aspekt ist der gezielte Einsatz von Spotlack. Diese Veredelung dient dazu, Tiefenwirkung zu erzeugen oder sonstige optische Akzente zu setzen. So werden beispielsweise einzelne Foodshots partiell lackiert, während der Rest der Verpackung eine matte Oberfläche behält. Das Ergebnis ist ein effektvoller Kontrast, der flache Motive beinahe plastisch erscheinen lässt – ein visueller Trick, der insbesondere bei nicht-transparenten Verpackungen ein direkteres, realistischeres Produkterlebnis nach sich zieht.
Glanzvolle Designs
Überhaupt stehen ästhetische Designs mit einem Hauch Glamour bei den Verpackungen in asiatischen Lebensmittelmärkten hoch im Kurs. Glänzende Oberflächen sind omnipräsent – ob als punktuelle Veredelungen, markante Rahmen oder ganze Hintergründe. Besonders auffällig ist der Einsatz von Goldfolie, die in vielen Produktkategorien genutzt wird – von traditionellen Heilmitteln bis hin zu trendigen Snacks. Mitunter erhalten die glänzenden Folien sogar noch eine zusätzliche Lackschicht, was einen zweistufigen Glanzeffekt bewirkt und der Verpackung eine spezielle visuelle Tiefe verleiht. Diese glänzenden Elemente sieht man auf stilistisch ganz unterschiedlich gestalteten Verpackungen von traditionell bis modern. Durch die Verwendung von Glanz – insbesondere von Goldfolie – muten auch einfachere Produkte wie etwa Ginseng-Tee oder Gewürzmischungen wertig und fast luxuriös an.
Milky statt voll transparent
Im Gegensatz zu westlichen Brands, die immer häufiger komplett transparente Verpackungen anbieten, bevorzugt der asiatische Markt oft eine semitransparente Optik. Diese leicht milchige Gestaltung findet sich beispielsweise bei Mehl, Rice Cakes, vorgebackenen Kuchen und Bubbles für die beliebten Bubble-Teas. Meist sind die Verpackungen zusätzlich bedruckt; in Kombination mit der weichen Milky-Transparenz entsteht ein spannender visueller Effekt.
Bekannte westliche Brands in adaptierten Designs
Der Umgang international bekannter westlicher Marken mit der eigenen Präsenz in diesem kulturell vollkommen andersartigen Kontext ist einer der Aspekte, die uns bei unserem Storecheck asiatischer Lebensmittelmärkte in Berlin mit am meisten überrascht haben. Namhafte Brands wie Oreo, Coca-Cola oder Knorr zeigen sich hier in adaptierter, landesspezifischer Form. Bei den Oreo-Keksen steht nicht einmal der Markenname in lateinischer Schrift auf der Verpackung. Dennoch ist die Brand durch ihre Corporate-Farben, visuellen Kategoriecodes und das bewusste Platzierungsprinzip im Regal sofort erkennbar, selbst wenn man die chinesische oder japanische Schrift nicht entziffern kann. Prinzipiell offenbart der Vergleich zwischen asiatischen und westlichen Varianten feine Unterschiede: Der abweichende Umgang mit Schrift, Schatten, Farbflächen, Ebenen oder Foodshots macht sichtbar, wie lokale Designkultur selbst bei globalen Marken durchschlägt.
Tüten als beliebte Verpackungslösung
Auffällig ist, wie viele Produkte in Tüten angeboten werden. So gut wie alles scheint in dieser Form erhältlich zu sein: von Tee, Reis, Trockenfrüchten und Süßigkeiten über marinierte Eier und Soßen bis hin zu getrocknetem Tintenfisch. Die Tüte fungiert hier nicht nur als pragmatische Verpackungslösung, sondern auch als plakative Werbefläche. Durch ihre große Front bietet sie viel Raum für Branding, Illustrationen und emotionale Kommunikation.
Papier-Alternative für mehr Nachhaltigkeit
Eine dieser Tüten wollen wir hervorheben, weil sie eine „grüne“ Note mitbringt: Die Verpackung von Obap ist wie ein klassischer Standbodenbeutel konzipiert, allerdings aus Papier statt dem sonst üblichen Kunststoff gefertigt. Diese Lösung gewährleistet die vertraute Handhabung solcher Packagings und hat gleichzeitig den Benefit einer nachhaltigeren Materialwahl. Wenn man bedenkt, wie „plastikverliebt“ einige asiatische Länder sind (mit entsprechenden Auswirkungen auf die Umwelt…), ist das durchaus ein bemerkenswerter Ansatz.
Erweiterung der Werbefläche bei kleinformatigen Produkten
Kleinformatige Verpackungen stellen Marken (und Packaging Designer) vor die Herausforderung, die geringe verfügbare Fläche effizient zu nutzen, um ansprechendes, wirksames Branding zu erwirken, ohne das Packaging visuell zu überladen. Wie das funktionieren kann, zeigt die vietnamesische Marke Bao Long bei ihren Suppenwürfeln: Hier wurde eine kleine zusätzliche Werbefläche entwickelt, die als Pop-up-Element auf der Verpackung angebracht ist. Diese Erweiterung verschafft dem an sich trotzdem noch sehr kleinen Produkt eine höhere Sichtbarkeit im Regal. Ob sich die Lösung mit dem Prinzip der Verpackungsreduktion vereinbaren lässt, bleibt fraglich; dennoch ist sie zweifelsohne ein kreativer Ansatz, um auf minimalem Raum die Markenwirkung zu maximieren.
Ungewöhnliche Verpackungsformen
Wenn wir gerade bei ungewöhnlichen Verpackungsformen sind: Bei unserem Storecheck asiatischer Lebensmittelmärkte in Berlin haben wir noch einige weitere spezielle Packaging-Formate entdeckt, beispielsweise in der Getränkeabteilung, wo Produkte auf Aloe-Vera- oder Kokosnuss-Basis zwar besonders zahlreich vertreten sind, insgesamt aber eine große Vielfalt herrscht – eben auch formal. Neben klassischen Flaschen und Dosen, wie wir sie aus deutschen Supermärkten kennen, finden sich einige alternative Varianten: etwa Tüten mit Sirupen, die man mit Wasser anrührt, praktische To-Go-Lösungen für Shakes und Tees, transparente Getränkedosen, Aluminiumdosen für bekannte Softdrinks wie Fanta und Coca-Cola oder Glasflaschen in alles andere als gängigen Formen. Auch andere Produktkategorien warten mit markanten Verpackungskonzepten auf: So begegnen einem im Bereich der Quetschbeutel – etwa für Mayonnaise – überraschend runde und verspielte Formate. Selbst Aufstriche oder Kompotte in Glasbehältern fallen durch extra große oder dekorativ gestaltete Deckel auf, die zum Teil mit Mustern oder Branding versehen sind.
Tee – ein wesentlicher Bestandteil asiatischer Kultur
Tee ist im asiatischen Raum kulturell tief verwurzelt – vergleichbar mit der Rolle, die Gewürze in türkischen Lebensmittelmärkten spielen. Dementsprechend häufig sind traditionell gestaltete Teeverpackungen. Sie kommen oft in ausschnittsweise oder milchig transparenten Tüten daher, dekoriert mit klassischen Mustern und Serifenschriften. Dennoch ist auch hier ein gewisser Wandel sichtbar: Moderne Erzeugnisse wie Bubble Tea Kits sprechen mit verspielten, humorvollen Illustrationen gezielt ein jüngeres Publikum an. Der Mix aus Tradition und Innovation sorgt für eine große Bandbreite an Produkten und einen abwechslungsreichen Anblick im Teeregal.
Snacking und Desserts
In der Snacking-Abteilung sind wir – abgesehen von Mochis, denen wir einen eigenen Abschnitt widmen – auf viele knusprige Leckereien gestoßen. Dazu zählen längliche oder anderweitig ungewöhnlich geformte Chips, knackige Reis-Cracker und unterschiedlichste Keksvarianten. Auch hier reicht das Designspektrum von farbenfroh und verspielt – häufig mit sympathischen Figuren und klarer Farbcodierung zur mühelosen, intuitiven Sortendifferenzierung – bis hin zu zurückhaltenden, modernen und minimalistischen Verpackungen.
Healthy Snacks
Einige der Snacks in den asiatischen Lebensmittelmärkten wirken gesünder als der Großteil der Produkte, die wir aus deutschen Supermärkten gewohnt sind – äußerlich und innerlich. Häufig handelt es sich um Häppchen, die auf getrocknetem Gemüse oder Algen basieren und im Vergleich zu den oft stark gesalzenen oder anderweitig gewürzten Chips der meisten westlichen Marken einen dezenter aromatisierten und folglich milderen Eindruck machen. Die Verpackungsgestaltung greift diese Charakteristika gerne auf – mit natürlichen Farben, minimalistischen Foodshots oder cleanen, puristischen Designs.
Mochi
Healthy Snacks schön und gut – aber ganz auf süße Sünden verzichten können und wollen asiatische Verbraucher (und Liebhaber der asiatischen Küche) nicht. Ein besonders ikonisches Produkt im asiatischen Snacking-Kosmos sind Mochis. Die kleinen japanischen Reisküchlein stehen von unzähligen Marken in den verschiedensten Geschmacksrichtungen, Verpackungsformen und Designs zur Wahl. Wie bei vielen anderen Produktkategorien variiert die Gestaltung auch hier zwischen liebevoll-traditionell und modern-minimalistisch. Der letztgenannte Ansatz ist insbesondere bei Eis-Mochis üblich. Manche Ausführungen ragen mit verspielten, zum Teil humorvollen, lustigen Illustrationsstilen heraus. Asiatische Marken machen sich die Popularität dieser Snacks zunutze, um kreativ mit Designcodes zu experimentieren.
Spannend: Soft Cakes in 3 verschiedenen Styles
Das, was wir eben über Mochis erzählt haben, lässt sich im Grunde auch über sonstige Soft Cakes sagen – nur, dass sie nicht den gleichen Status in der asiatischen Snackkultur haben. Doch in puncto Design zeigt sich praktisch dasselbe Spiel: Uns sind drei grundverschiedene Designansätze für diese Produktgattung aufgefallen: Manga-Style, klassisch-traditionell und modern-minimalistisch. Diese stilistische Vielfalt verdeutlicht einmal mehr, wie unterschiedlich asiatische Brands ein und denselben Produkttyp interpretieren können.
(Sonstige) Desserts
Im Bereich Desserts dominiert eine bunte, verspielte Bildwelt. Neben Mochis, die – wie bereits beschrieben – allgegenwärtig sind, finden sich in asiatischen Lebensmittelmärkten vor allem Puddings und Jellys in abwechslungsreichen Formen und Geschmacksrichtungen. Auffällig ist die farbliche Gestaltung: Viele Produkte präsentieren sich entweder in zarten Pastelltönen oder – genau entgegengesetzt – in kräftigen Farben, wobei die Foodshots oft stark bearbeitet sind und weniger realistisch wirken. Dennoch wird die jeweilige Leckerei durch Transparenz sichtbar gemacht – häufig in der bereits erwähnten Milky-Version, die einen weichen, fast magischen Anklang hat.
Fertigprodukte zum Aufwärmen
Was beim Schlendern durch die Geschäfte sofort ins Auge fällt, ist die große Auswahl an Fertigprodukten zum Aufwärmen. Vor allem die typisch asiatischen Nudelschalen gibt es in einer beeindruckenden Vielfalt – sowohl in Bezug auf Sorten als auch hinsichtlich der Darreichungsformen. Neben klassischen Mikrowellenbechern halten die Märkte auch noch praktischere Varianten bereit, bei denen lediglich heißes Wasser eingefüllt werden muss. Mehrere dieser Produkte sind sogar so konzipiert, dass man sie direkt vor Ort verzehren kann, was den Convenience-Gedanken noch einmal unterstreicht. Manche Brands, etwa Nissin mit den Cup Noodles, kennt man auch außerhalb des asiatischen Markts; die meisten Marken scheinen mit ihrem authentischen Branding jedoch speziell auf die asiatische Community ausgerichtet zu sein. Gestalterisch sind uns von traditionell bis hin zu ultramodern designten Packagings diverse Lösungen begegnet. Eindrücklich ist jedenfalls das konsequente Color Coding, das eine klare Sortendifferenzierung ermöglicht. Häufig ergänzen Manga-/Anime-Figuren das visuelle Konzept.
Vorgekochte und marinierte Eier
Ein weiteres beliebtes und entsprechend bedeutsames Produktsegment in asiatischen Lebensmittelmärkten bilden vorgekochte und marinierte Eier. Sie sind typischerweise in Kunststoff verpackt – im Gegensatz zu westlichen Standards, wo vorgekochte ebenso wie frische Eier gemeinhin im Karton verkauft werden. Trotz des einheitlichen Verpackungsmaterials variieren die konkreten Verpackungsarten relativ stark: Neben Kunststoffschalen finden sich auch bedruckte Tüten, die zum Teil bewusst die Haptik und Struktur von Papier imitieren, um ein natürlicheres Wirken zu erzeugen. Die Designs selbst sind wieder sehr vielfältig – von traditionellen Motiven über klassische Foodshots bis hin zu verspielten Illustrationen mit Maskottchen oder Comicfiguren samt augenzwinkerndem Humor ist allerhand dabei.
Wenig Herausragendes bei den Gewürzen
Anders als in den meisten Abteilungen haben wir bei den Gewürzen nichts wirklich Spektakuläres wahrgenommen. Nur einem Produkt beziehungsweise dessen Verpackung ist es gelungen, zumindest unsere Aufmerksamkeit zu erregen: eine Gewürzmischung im Glas, verschlossen mit einem Kunststoffdeckel. Dieser Materialmix mag zwar keine Revolution sein, doch er kombiniert Stabilität mit einer einfachen Handhabung, was absolut anwenderfreundlich ist.
Eigen-artig‘ bestücktes Tiefkühlregal
Das Tiefkühlsortiment unterscheidet sich deutlich von der gewohnten Auswahl in deutschen oder generell westlichen Geschäften. In den Tiefkühlern asiatischer Lebensmittelmärkte dominieren Buns und Dumplings mit diversen Füllungen von herzhaft bis süß. Wiederum dienen hauptsächlich Farbunterschiede dazu, die Sorten zu differenzieren. Abgesehen von den kleinen Brötchen und Teigtaschen beherbergen die Eisschränke zahlreiche Fischprodukte, was die zentrale Rolle des Fisches in der asiatischen Ernährungskultur widerspiegelt. Ganze Fische, Filets und fertige Fisch-Snacks – all das und mehr ist tiefgekühlt erhältlich, in Verpackungen, die oft durch realistische Foodshots charakterisiert und zum Teil auch veredelt sind.
Geschirr für die asiatische Küche
Neben der Vielzahl an traditionellen Lebensmitteln verkaufen einige asiatische Märkte auch Tassen, Becher, Schalen, Teller und anderes Geschirr, das speziell auf die asiatische Küche und Kultur abgestimmt ist. Diese Produkte sind in verschiedensten Designs und Qualitäten erhältlich und ergänzen das Angebot praktisch wie emotional wirkungsvoll.
Zum Abschluss: die ungewöhnliche Geschichte der Marke Lao Gan Ma
Eine Besonderheit und fast schon ein Mythos im Sortiment asiatischer Lebensmittelmärkte ist Lao Gan Ma: eine Marke, die sich vom Beiprodukt eines Nudelstands zur mehr oder weniger versehentlich entstandenen Kultmarke entwickelt hat.
Alles begann 1989 mit Tao Huabi, einer mittellosen Witwe in einem kleinen chinesischen Dorf, die für ihre selbstgemachte Chilli-Crisp-Soße bekannt wurde. Ihre Kunden kamen wegen der Soße, nicht wegen der Nudeln. Und so tat sie das Naheliegende: Sie ließ die Nudeln weg und verkaufte fortan das, was wirklich zündete.
Das Gesicht von Tao Huabi ziert noch heute jede Flasche – nicht als Marketing-Tool, sondern als reales, personifiziertes Zeugnis des Ursprungs, der Herkunft. Genau diese kompromisslose Authentizität sowie die Kombination aus starkem Produkt und fairem Preis machten Lao Gan Ma zu dem, was für viele Marketer ein Traum ist: eine Brand, die sich organisch und ungewollt verbreitet – ganz ohne herkömmliche Werbung.
Statt auf klassische Kommunikation setzte Tao auf Sampling: Lkw-Fahrern wurden Gläser geschenkt, sie verteilten das Produkt im ganzen Land – jedes Glas ein kulinarischer Zündsatz, jeder Bissen der Beginn eines viralen Moments…
Lao Gan Ma steht beispielhaft für Design ohne Kalkül, aber mit maximaler Wirkung. Die Verpackung ist kantig, ikonisch, unverwechselbar – nicht durch gestalterische Raffinesse, sondern durch Ehrlichkeit. Das gerahmte Porträt von Tao Huabi wirkt fast wie ein Siegel, das für echte Schärfe, echten Geschmack und echte Herkunft steht. Sie ist kein austauschbares Maskottchen, sondern eine reale Gründerfigur, die trotz zahlreicher Kopien und Fälschungen zum Gesicht eines Produkts wurde, das zur Haushaltskonstante in ganz China und später weltweit avancierte.
Erst durch Social Media während der Pandemie fand Lao Gan Ma ihren Weg in westliche Küchen – getragen durch Foodblogger, TikToker und YouTube-Köche, die den einzigartigen Crunch der Chilli-Crisp-Soße zu ihrer kulinarischen Entdeckung erklärten. In dieser Zeit explodierten die Verkaufszahlen rund um den Globus.
Auch wenn man es meinen könnte: Die Marke wurde nicht verändert, nicht westlich angepasst, nicht neu positioniert. Sie ist sich treu geblieben – und gerade deshalb so erfolgreich geworden.
Lao Gan Ma ist ein Paradebeispiel für das, was viele Brands krampfhaft versuchen zu imitieren: eine kultige Aura, geboren aus Produktqualität, Konsequenz und Authentizität. Die Geschichte von Tao Huabi zeigt, dass eine Weltmarke auch ohne Werbestrategie, Corporate Language und Branding-Kampagnen entstehen kann – wenn das Produkt stimmt. Und wenn man den Mut hat, die eigenen Werte nicht zu verraten.