Nachhaltigkeit mit System – Teil 2: Refill
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Nachhaltigkeit mit System – Teil 2: Refill

Vor Jahren war sie noch lediglich ein Trend, doch nun wird sie zunehmend zur Pflicht in der Verpackungsbranche: Die Rede ist von Nachhaltigkeit. Mit der im Februar 2025 in Kraft getretenen PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation der EU) rückt neben der Recyclingfähigkeit auch die Wiederverwendbarkeit von Verpackungen in den Fokus. Packagings sollen länger im Umlauf bleiben, der Materialeinsatz soll sinken – und Unternehmen sind künftig angehalten, dies eindeutig zu belegen.

Im ersten Teil unserer Serie „Nachhaltigkeit mit System“ haben wir uns damit befasst, wie Mehrweg dazu beitragen kann, die oben erwähnten Ziele zu erreichen: über standardisierte Formate, zentrale Rücknahmesysteme und möglichst viele Umläufe. Ein weiteres Konzept, das die angestrebte Zirkularität anzukurbeln beziehungsweise zu unterstützen vermag, ist Refill. Daher widmen wir diesem Aspekt den zweiten Teil unserer analytischen Reihe zum Thema Nachhaltigkeit in der Verpackungsbranche auf Basis der Vorgaben der PPWR.

Allgemeines zu Refill-Systemen

Bislang werden Packagings in der Regel nach einmaligem Gebrauch entsorgt und in der Folge entweder recycelt oder verbrannt. Refill-Systeme setzen hingegen darauf, dass die Verpackung nicht gleich weggeworfen, sondern stattdessen immer wieder neu befüllt wird. Im Idealfall ist dies materialeffizient und dementsprechend ressourcenschonend. De facto stellt es Brands aber auch vor große Herausforderungen in Bezug auf das Design, die Convenience und die Markenkommunikation.

Anders als bei Mehrweg entsteht bei Refill kein geschlossener Kreislauf; vielmehr wird hierbei die Lebensdauer der einzelnen Verpackung verlängert. Wir kommen im Verlauf unseres Beitrags noch genauer auf die Unterschiede zwischen Mehrweg- und Refill-Systemen zu sprechen. Im Fokus steht diesmal jedoch Refill: Wir nehmen gängige Modelle sowie ihre Chancen und Grenzen im Kontext der PPWR unter die Lupe. Zudem beschreiben wir beispielhaft ein paar konkrete – real existierende – Refill-Lösungen.

Refill ist nicht gleich Refill: vier Systeme, vier Prinzipien

Während jenseits der Getränkeindustrie viele Mehrweg-Ansätze noch in der Erprobungsphase stecken, ist Refill für zahlreiche Verbraucher seit geraumer Zeit Teil des Alltags. Ob Nachfüllbeutel, Pulver oder Abfüllstation: Die Bandbreite an Lösungen ist groß – und genauso verschiedenen sind die ihnen zugrunde liegenden Konzepte, Anforderungen und Nachhaltigkeitspotenziale. Vier Refill-Modelle lassen sich dabei grundlegend unterscheiden:

– stationäre Refill-Systeme
– Nachfüllbeutel
– Konzentrate, Pulver, Tabs
– markengebundene Starterkits

1. Stationäre Refill-Systeme: mehrfach befüllen im Handel

Verbraucher erwerben standardisierte Verpackungen am Point of Sale oder bringen eigene Behälter von zu Hause mit, um Produkte direkt im Geschäft nachzufüllen. Solche stationären Refill-Konzepte sparen Primärverpackungen ein, verlangen allerdings eine Menge, was Hygiene, Logistik und Nutzerführung betrifft. Zu finden sind sie heute vor allem in Bio- und Drogeriemärkten; teilweise gibt es sie auch in Supermärkten – etwa für trockene Lebensmittel oder in Form von Abfüllstationen für Waschmittel und Hygieneprodukte.

Die PPWR sieht darin ein strategisch wichtiges Modell zur Abfallvermeidung und empfiehlt, dass Einzelhandelsgeschäfte ab 400 Quadratmetern bis 2030 zehn Prozent ihrer Fläche für Refill-Optionen nutzen beziehungsweise bereitstellen. Damit signalisiert die EU deutlich, dass Refill künftig nicht mehr nur gewünscht ist, sondern erwartet wird.

2. Klassische Nachfüllbeutel: mehr Inhalt, deutlich weniger Verpackung

Nachfüllbeutel für Flüssigseifen, Shampoos oder Waschmittel gehören zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Refill-Lösungen im Handel. Der flexible Beutel ersetzt meist eine feste Flasche oder einen Spender und spart dabei erheblich Verpackungsmaterial ein. Gleichzeitig enthalten Nachfüllbeutel oft sogar eine größere Produktmenge als das zugehörige Original-Packaging. Der Effekt: ein deutlich besseres Verhältnis von Produkt zu Verpackung.

3. Konzentrate, Pulver, Tabs: Volumen schrumpft, Effizienz steigt

Statt Wasser mitzuverkaufen, wird das Produkt als Konzentrat, Pulver oder in Form von Tabs angeboten – das erforderliche Wasser ergänzt der Verbraucher dann einfach selbst. Das spart Volumen, reduziert Verpackungsmaterial und senkt Transportemissionen. Anwendung findet dieses Refill-Konzept derzeit vorrangig für Reinigungs- und Spülmittel.

Vorteil: Bestehende Packagings – beispielsweise Sprühflaschen für Reinigungsmittel – werden durch die Nachfüllfunktion plötzlich zu Mehrwegverpackungen. Gleichzeitig kann das für das grundlegende Produkt benötigte Packaging kompakt und damit ressourcenschonend bleiben, ohne dass es den Verbraucher einschränkt.

4. Markengebundene Starterkits: Refill mit Systembindung

Viele Marken setzen auf eigens entwickelte Refill-Systeme, bei denen eine langlebige Hauptverpackung durch speziell darauf abgestimmte Nachfülllösungen ergänzt wird – etwa Beutel, Kartuschen oder Einschübe. Das Konzept ist meist als durchgängiges, harmonisches Produktpaket konzipiert: Starter-Set und Refill sind funktional und gestalterisch aufeinander abgestimmt, was die Anwendung besonders komfortabel macht.

Aber: Während die hohe Markenbindung solcher Refill-Lösungen für die jeweiligen Hersteller klarerweise von Vorteil ist, schränkt sie die Verbraucher in ihrer Flexibilität ein, weil diese langfristig auf das jeweilige System festgelegt sind.

Refill: Chancen und Grenzen eines dezentralen Systems

Nachdem wir die unterschiedlichen Refill-Modelle etwas näher betrachtet haben, lohnt nun der Blick auf das allgemeine System dahinter – und was es grundlegend von Mehrweg unterscheidet. Kurz gesagt: Mehrweg setzt auf standardisierte Rücknahme-, Reinigungs- und Wiederverwendungssysteme – also zentral organisierte Kreisläufe; Refill hingegen verlagert die Verantwortung und den Handlungsspielraum auf die Verbraucher. Es ist somit ein dezentrales System, das sich entlang individueller Entscheidungen entfaltet: Refill funktioniert nur, wenn Menschen nachfüllen – freiwillig, regelmäßig und informiert.

Ein niedrigschwelliger Einstieg mit strategischer Wirkung

Prinzipiell hat Refill den Vorteil, dass es mit einem vergleichsweise geringen logistischen Aufwand umgesetzt werden kann. Hersteller müssen keine neuen Rücknahmeprozesse etablieren, Händler keine zusätzlichen Lagersysteme aufbauen. Statt sie zu ersetzen, erweitert Refill bestehende Vertriebs- und Abfüllstrukturen – und ist damit schnell skalierbar. Für viele Unternehmen stellt das Konzept daher einen attraktiven Einstieg in nachhaltige(re) Verpackungslösungen dar.

Darüber hinaus erlauben Refill-Systeme deutlich mehr Flexibilität und Vielfalt bei der Gestaltung. Anders als Mehrweg ist es kein Standard-, sondern ein Storytelling-Instrument: Marken können eigene Refill-Logiken, Refill-Designs und Refill-Botschaften entwickeln – von simplen Beuteln bis hin zu designorientierten Lifestyle-Produkten.

Zwei Geschwindigkeiten, zwei Systeme

Die dargelegte Offenheit von Refill führt zu einer markanten Zweiteilung:

Low-Commitment-Systeme wie Nachfüllbeutel, Konzentrate oder Tabs funktionieren sofort, sparen unmittelbar Verpackungsmaterial und lassen sich problemlos in bestehende Konsumroutinen integrieren.

High-Commitment-Systeme – etwa markengebundene Starterkits – verlangen eine bewusste Entscheidung für ein Produkt, ein Design, ein Nachfüllsystem. Sie bieten Markentreue, Differenzierung und Erlebnis, funktionieren beziehungsweise reüssieren aber nur dann langfristig, wenn sie konsequent verwendet werden. Wie viel Material sich mit Refill tatsächlich einsparen lässt, hängt stark vom System und der Nutzung ab. Was das hinsichtlich des Verpackungsverbrauchs bedeuten kann, zeigen wir weiter unten anhand eines konkreten Beispiels mit Starter-Kit, Refill-Packs und Vergleichsprodukten.

Komfort oder Motivation – wer gewinnt?

Im Massenmarkt dominiert Convenience: Je einfacher ein Refill-System konzipiert ist, insbesondere in Bezug auf Dosierung, Mischung und Anwendung, desto eher wird es von der Mehrheit der Verbraucher akzeptiert. Anspruchsvollere Systeme müssen andere Hebel ansetzen und sich über Ästhetik, Personalisierung oder emotionale Markenbindung die Gunst der Konsumenten sichern. Hier wird Refill von einer reinen Verpackungslösung zu einer echten Haltung – sichtbar, greifbar, kommunikativ stark.

Die geschilderte Dynamik zeigt: Refill ist ein Feld mit variierenden Geschwindigkeiten, Strategien und Zielgruppen. Das Potenzial solcher Systeme liegt gerade in dieser Offenheit; Letztere impliziert allerdings auch die Herausforderung, stets die richtige Lösung für eine spezifische Anwendung zu gestalten.

Vom Prinzip zur Praxis – Refill-Lösungen im Realitätscheck

Wie vielfältig Refill tatsächlich gedacht und umgesetzt wird, veranschaulichen die folgenden Beispiele aus dem Markt. Das Spektrum reicht von etablierten Lösungen bis hin zu experimentellen Piloten mit Innovationspotenzial. Wir beginnen mit stationären Refill-Konzepten und gehen dann zu markengebundenen Varianten über.

Stationäre Refill-Konzepte an den Beispielen dm und ReSpray: ernüchternd bis innovativ

Stationäre Refill-Konzepte gelten als Königsweg der Verpackungsvermeidung – zumindest auf dem Papier. In der Praxis zeigt sich: Der Aufwand ist hoch, die Akzeptanz schwankend, wie unter anderem aus einem erst vor kurzem abgeschlossenen Projekt von dm hervorgeht.

Beispiel 1: dm

Zwischen März 2024 und August 2025 testete der Drogeriemarkt in 15 Filialen ein Unverpackt-System mit dmBio-Abfüllstationen. Kunden konnten lose Bio-Produkte wie Nüsse, Linsen oder Müsli wahlweise in eigenen, von zu Hause mitgebrachten Behältnissen oder in Pfandbehältern selbst nach Bedarf abfüllen. Das Ziel: Verpackung einsparen. Obwohl das Kundenfeedback positiv ausfiel, war die Klimabilanz ernüchternd: Die Nutzung blieb zu gering, um im Vergleich zu bereits optimierten Einwegverpackungen einen messbaren ökologischen Vorteil zu erzielen. Daher entschied sich dm dagegen, das Konzept fortzuführen.

Das Beispiel dm macht deutlich, dass auf dem Papier erarbeitete Refill-Systeme erst einmal in der Praxis umgesetzt und unter realen Bedingungen kritisch bewertet werden müssen, um feststellen zu können, ob sie tatsächlich einen Beitrag zur Erreichung der Ziele der PPWR – vorrangig Ressourceneffizienz und Abfallvermeidung – leisten.

Beispiel 2: ReSpray

Einen innovativen Ansatz liefert das Start-up ReSpray. Das junge ungarische Unternehmen denkt Spraydosen als wiederbefüllbare Verpackungen – und eröffnet damit eine ganz neue Richtung für stationäre Refill-Lösungen.

In Kooperation mit Rossmann hat ReSpray eine der ersten Nachfüllstationen für Sprühdeos in den Handel gebracht. Kunden können ihre geleerten Aluminiumdosen vor Ort am Automaten mit Druckluft statt herkömmlichem Treibgas bis zu fünfmal wiederbefüllen. Die eingesetzten Dosen stammen vom Hersteller Tubex und bestehen aus 100 Prozent recyceltem Material mit 50 Prozent PCR-Anteil aus dem gelben Sack. Laut ReSpray fällt die CO2-Bilanz des Systems rund fünfmal besser aus als bei herkömmlichen Einweg-Spraydosen.

Die Idee wurde bereits im Jahr 2024 mit dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie „Nachhaltigkeit – Gesamtkonzept“ ausgezeichnet und erhielt dieses Jahr den Gold Award der WPO (World Packaging Organisation). ReSpray demonstriert, wie groß das Innovationspotenzial im Refill-Bereich ist. Es bleibt spannend zu beobachten, ob sich das System auf Dauer im Markt bewährt.

Markengebundene Refill-Systeme an den Beispielen Wild, Mighty und CleanCult: Individualität statt Standardisierung

Markengebundene Konzepte kombinieren Refill mit Design, Markenerlebnis und emotionaler Bindung – und repräsentieren damit nicht nur eine Verpackungslösung, sondern auch eine Haltung. Gerade sogenannte Starter-Kits, die aus langlebiger Primärverpackung und passenden Refill-Packs bestehen, sind mehr als bloß funktional: Sie inszenieren Refill als Lifestyle, bieten Differenzierung im Regal und schaffen Commitment. Von personalisierbaren Spendern bis hin zu unkonventionellen Nachfüllformaten: Wild, Mighty und CleanCult zeigen, wie vielfältig und kreativ Brands das markengebundene Refill-Konzept interpretieren.

Beispiel 1: Wild – Refill mit Haltung und hohem Designanspruch

Das britische Startup Wild gehört zu den Vorreitern für nachhaltige Refill-Lösungen im Badezimmer. Gestartet mit festen Deos in nachfüllbaren Cases, umfasst das Sortiment heute auch Duschgele, Handseifen, Lippenpflege und Mini-Deos – alles mit dem Ziel, Einweg-Plastik durch funktionale, stilvolle und wiederverwendbare Systeme zu ersetzen.

Das Refill-Prinzip der Duschgele ist einfach und konsequent gedacht: Kunden kaufen einmal ein langlebiges Aluminium-Case im Wunschdesign und setzen danach nur noch passende Nachfüllkartuschen ein – kein Umfüllen erforderlich. Die Refills bestehen laut Hersteller zu 70 Prozent aus Bambuszellstoff und zu 30 Prozent aus pflanzlicher Stärke, verzichten komplett auf Kunststoff und sollen kompostierbar sein. Neben einer breiten Auswahl an Düften bietet Wild zahlreiche Designvarianten für die Cases – das System verliert dadurch seinen rein funktionalen Status und wird stattdessen zum individuellen Statement auf dem Badschrank und in der Dusche. Gleichzeitig stärkt das clevere Refill-System die Kundenbindung: Wer sich einmal für ein bestimmtes Case und den damit verbundenen Duft entscheidet, bleibt häufig im Refill-Flow.

Übrigens: Wild wurde 2025 von Unilever übernommen – ein Beleg dafür, wie mutige Startups mit klarer Haltung und konsequenter Markenführung auch große Player überzeugen können. Es zeigt zudem, wie groß das Potenzial solcher Konzepte ist.

Beispiel 2: Mighty – innovativer Refill-Ansatz für Zahncreme

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel für kreative Refill-Systeme liefert das Startup Mighty, das seine Marke konsequent rund um die Idee des Nachfüllens aufbaut. Statt klassischer Zahncremetuben setzt die Brand aus Großbritannien auf ein eigenes Spendersystem mit passenden Refill-Kartuschen. Es handelt sich dabei um einen klaren High-Commitment-Ansatz, der Nutzer an die Marke und die Anwendung bindet. Der praktische Spender bringt Convenience, Design und Wiederverwendbarkeit zusammen – ein frisches, dynamisches Konzept für ein grundsätzlich eher statisches Produktsegment.

Die Nachfüllkartuschen bestehen laut Hersteller aus biologisch abbaubarem Material und kommen ohne herkömmlichen Kunststoff aus. Unklar bleibt jedoch, ob sie auch unter heimischen Bedingungen oder nur in industriellen Kompostieranlagen abgebaut werden können. Letzteres ist kritisch zu betrachten: In der Praxis zersetzen sich solche Materialien meist nicht schnell genug, um mit den realen Zykluszeiten industrieller Kompostierung Schritt zu halten, sodass sie oft eher als Störstoff statt als ökologische Lösung gelten. Trotz dieser offenen Fragen beweist Mighty, wie sich Refill als Markenkern denken lässt – nicht als eine Verpackungsoption unter vielen, sondern als identitätsstiftendes Prinzip.

Beispiel 3: CleanCult – neue Wege mit Verbundkarton

Auch das US-Unternehmen CleanCult zeigt, wie vielfältig und kreativ Refill realisiert werden kann. Statt gängiger Refill-Pouches nutzt die Marke für ihre Flüssigseifen Verbundkartons (Tetra Paks) – eine ungewöhnliche Lösung, die am Point of Sale sofort ins Auge fällt und eine starke Markendifferenzierung gewährleistet.

Als langlebige Primärverpackung dient ein hochwertiger Seifenspender aus Aluminium, der mit den Refill-Kartons immer wieder neu befüllt werden kann. Ein Karton enthält dabei drei Nachfüllungen. CleanCult selbst beschreibt die Refill-Packs als papierbasiert und recycelbar. Tatsächlich lässt sich jedoch nur der Faseranteil gut recyceln, während es nach wie vor gängige Praxis ist, die übrigen Materialien des Verbundes lediglich thermisch zu verwerten.

Trotz dieser Kritikpunkte überzeugt das Refill-Konzept durch einen eigenständigen, kreativen Ansatz, der herausstellt, wie auch das Verpackungsformat zum Storytelling-Element und Eyecatcher werden kann.

High vs. Low Commitment Refill – wann Refill wirkt

Wie stark Refill zur Materialeinsparung beiträgt, hängt vom System dahinter ab. An zwei Modellen zeigen wir exemplarisch, wie unterschiedlich der Effekt ausfallen kann: einmal bei einem High-Commitment-Ansatz mit langlebiger Hauptverpackung und kompatiblen Refills; und einmal bei einem Low-Commitment-System, das einfache Nachfülllösungen ergänzend zur klassischen Einwegverpackung anbietet. Entscheidend ist dabei nicht nur das Material selbst, sondern auch, wie häufig und konsequent das jeweilige System genutzt wird.

High Commitment Refill – Material sparen durch Kontinuität

Wir starten unsere Betrachtung mit einem High-Commitment-Starter-Kit, einem Produkt, das in unserem letzten PackCheck besonders überzeugen konnte: Im Segment der festen Deodorants haben wir vielfältige Verpackungskonzepte analysiert und anhand verschiedener Performance-, Design- und Nachhaltigkeitskriterien bewertet. Als Gesamtsieger ist das nachfüllbare feste Deo von Wild hervorgegangen. Es hat uns sowohl in puncto Performance als auch in Sachen Nachhaltigkeit überzeugt – vor allem, weil die Refills sehr materialarm gestaltet sind und das System bei konsequenter Nutzung eine deutliche Verpackungsreduktion ermöglicht.

Doch wie wirkt sich das konkret aus? Sehen wir uns das einmal genauer an.

Das Starter-Kit von Wild umfasst unter anderem eine Faltschachtel, in der sich die eigentliche Deo-Verpackung befindet: ein robuster, langlebiger Spender aus Aluminium und Kunststoff. Besonders bemerkenswert: Design for Recycling ist hier bereits integriert. Für den Fall, dass die Verpackung am Ende ihrer Lebensdauer entsorgt werden muss, lassen sich Aluminium- und Kunststoffbestandteile dank integrierter Klick-Mechanik unkompliziert voneinander separieren und getrennt entsorgen sowie recyceln.

Zum Starter-Kit gehört zudem eine erste Refill-Portion. Sie besteht aus einer schlichten Papierbanderole und einem Kartuschenbehälter aus Bambuszellstoff, der das Deo enthält. Auch bei den regulären Nachfüllpacks bleibt das Prinzip konsequent reduziert: Die kleine Faltschachtel, die Papierbanderole und der minimalistische Produktbehälter aus Bambuszellstoff summieren sich auf ein Gesamtverpackungsgewicht von nur elf Gramm – ein Paradebeispiel für materialoptimiertes Refill-Design.

Interessant: In unserem PackCheck ist die materialärmste getestete Einwegverpackung – eine minimalistische Kartonwickeldose – auf ein Gesamtgewicht von 20 Gramm gekommen. Das bedeutet: Ein einzelnes Wild-Refill spart im direkten Vergleich fast 50 Prozent Material, bezogen auf das reine Verpackungsgewicht. Man muss jedoch dazusagen, dass der Einstieg ins System deutlich gewichtiger ist: Das Starter-Kit von Wild bringt es durch das robuste Aluminium-Kunststoff-Gehäuse auf 91 Gramm, also mehr als das Vierfache der erwähnten Einwegverpackung.

Da stellt sich unweigerlich die Frage: Wann beginnt sich das Refill-System aus Verpackungssicht zu lohnen?

Das hängt ganz davon ab, womit man vergleicht. Gegenüber der ultraleichten Kartonwickeldose rechnet sich das Wild-System erst nach der achten Nachfüllung – also nach neun eingesetzten Refills (eines im Starter-Kit, acht Nachkäufe). Wer durchschnittlich eine Refill-Portion pro Monat verbraucht, erreicht den Break Even erst nach neun Monaten konsequenter Nutzung. Demnach fungiert die Deo-Refill-Lösung von Wild als echtes High-Commitment-System, das auf eine langfristige Anwendung ausgelegt ist.

Anders sieht es im Vergleich zu klassischen Kunststoff-Drehsticks aus, die im Test mit 76 Gramm Verpackungsgewicht deutlich schwerer ausgefallen sind. Hier zeigt sich der Vorteil des Wild-Refill-Konzepts sofort: Bereits mit dem ersten Refill wird insgesamt weniger Verpackungsmaterial verbraucht.

Unsere Analyse konzentriert sich bewusst auf das Verpackungsgewicht – und damit auf das Ziel der Materialeinsparung, wie es auch in der PPWR ein wesentlicher Aspekt ist. Andere Kriterien wie Recyclingfähigkeit, Wiederverwendbarkeit oder die CO2-Bilanz bleiben an dieser Stelle unberücksichtigt, spielen für eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsbewertung aber natürlich eine ebenso entscheidende Rolle, denn: Leichte Verpackungen sind nicht automatisch ökologischer, insbesondere dann nicht, wenn sie nur schwer oder gar nicht recycelt werden können.

Halten wir fest: Der ökologische Nutzen von Refill-Systemen hängt in erster Linie vom Vergleichsmaßstab ab. Während sich der Effekt gegenüber vielen herkömmlichen Kunststofflösungen schnell einstellt, braucht es gemessen an extrem reduzierten Einwegformaten wie der Kartonwickeldose eine gewisse Ausdauer – und damit eine klare Entscheidung für das System und die regelmäßige Nutzung desselben.

Low Commitment Refill – Material sparen ohne Einstiegshürde

Während High-Commitment-Systeme auf langlebige Spezialverpackungen setzen, zeigt das Beispiel eines Badreinigers, wie sich auch klassische Einwegverpackungen zu einem effektiven Refill-System erweitern lassen – und zwar ganz ohne zusätzliches Starter-Kit.

Die ursprüngliche Sprühflasche wiegt 81 Gramm und besteht aus einem PET-Körper, einem mehrteiligen Sprühkopf sowie einem Kunststoff-Sleeve. Kombiniert man sie mit dem passenden Nachfüllpack, einem 20 Gramm leichten Beutel aus recycelbarem PE-Monomaterial mit Konzentrat, ergibt sich ein einfaches, aber wirkungsvolles Refill-System. Laut Hersteller und Claim auf der Verpackung können damit bis zu 92 Prozent Kunststoff gegenüber der Originalflasche eingespart werden.

Der besondere Vorteil: Durch die clevere Ergänzung mit dem Refill-Pack wird aus einer klassischen Einwegverpackung eine wiederverwendbare Lösung – ganz ohne Systemwechsel oder markenspezifisches Zubehör. Das spart direkt ab dem ersten Einsatz Verpackungsmaterial und macht das Konzept zu einem Paradebeispiel für Low Commitment Refill.

Fazit: Mehrweg vs. Refill – zwei Wege für ein Ziel: Nachhaltigkeit mit System

Mehrweg und Refill sind zwei Basiskonzepte für mehr Zirkularität. Beide haben das Ziel, Verpackungen langlebiger, ressourcenschonender und zukunftsfähig zu gestalten. Doch der Weg dahin unterscheidet sich grundlegend.

Als zentral organisiertes System ist Mehrweg auf Standardisierung, eine gute Infrastruktur und hohe Umlaufzahlen angewiesen. Es verlangt eine nahtlose Verflechtung von Rücknahmestrukturen, Reinigung, Logistik und Konsumentenführung. Gleichzeitig spielt das Verpackungsdesign eine zentrale Rolle: Nur wenn Einweg-Anteile minimiert und Materialien recyclingfähig sind, kann das System ökologisch aufgehen. Der Umweltvorteil stellt sich eben nicht automatisch ein; wie unsere Berechnungen zeigen, braucht es oft viele Umläufe, bis sich ein Mehrwegbehälter im Vergleich zur leichten Einwegverpackung wirklich rechnet. Funktionierende Kreisläufe, einfache Rückgabe und kluges Design sind keine Optionen, sondern Voraussetzungen.

Refill funktioniert anders: dezentral, nutzergetrieben und vielfältig in der Ausprägung. Es erlaubt hohe Flexibilität, niedrigschwellige Einstiege und starke Markenerlebnisse – von einfachen Nachfüllbeuteln bis hin zu durchgestylten Starterkits. Doch auch hier gilt: Nur wenn das System konsequent genutzt wird, hat das Ganze einen echten ökologischen Effekt. Die Verantwortung liegt stärker bei den Verbrauchern – mit allen Chancen und Risiken. Pilotprojekte wie der Refill-Test von dm zeigen: Ohne ausreichende Nutzung bleibt das ökologische Versprechen unerfüllt. Refill ist kein homogener Trend, sondern ein dynamisches Spielfeld, das kritische Bilanzierung und kontinuierliche Weiterentwicklung erfordert – gerade dort, wo Verpackung zum Lifestyle-Element wird.

Beide Konzepte verdeutlichen: Nachhaltigkeit entsteht durch eine hohe praktische Systemleistung; gute theoretische Überlegungen allein reichen nicht aus. Weder das robuste Mehrweggebinde noch der stylische Refill-Spender sind per se umweltfreundlich; es kommt auf Materialeffizienz, Nutzungsintensität, Recyclingfähigkeit und systemische Anschlussfähigkeit an. Genau auf diese Aspekte zielt auch der regulatorische Rahmen der PPWR, der nicht nur Zirkularität einfordert, sondern auch deren technisch belegbare Umsetzung: von der Reduktion des Materialeinsatzes über Design for Recycling bis hin zur dokumentierten Wiederverwendbarkeit.

Nachhaltigkeit bedeutet also weit mehr als vornehmes Wollen: Entscheidend ist belastbares Können über alle Ebenen hinweg. Die differenziert gedachte und konsequent umgesetzte Verbindung von Designqualität, Infrastruktur und Nutzerverhalten gibt stets den Ausschlag.

Ob strukturierter Mehrweg oder offenes Refill: Wirklich wirkungsvolle Lösungen sind nutzerorientiert und halten selbst intensivsten kritischen Betrachtungen stand. Wer heute Verpackungen nachhaltig gestalten will, muss effektive Systeme schaffen, dabei Haltung zeigen und ein klares Ziel verfolgen: die Minimierung negativer Umweltauswirkungen durch reibungslos funktionierende Kreisläufe.

Ganzheitlichkeit lautet das Zauberwort. Gerne unterstützen wir Sie dabei, die nächste Verpackungsinnovation mit Mehrweg- oder Refill-Ansatz auf den Markt zu bringen, eine Lösung, die sowohl die Umwelt als auch Händler und Verbraucher rundum überzeugt. Kommen Sie einfach telefonisch oder über unser Kontaktformular auf uns zu!